Money Boy-Movements: Liste aller kanonischen und nicht-kanonischen Bewegungen

Mit folgenden Movements war Money Boy bereits am ficken:

  1. Turn Up Boyz
  2. Gummibärenbande (nicht-kanonisch)
  3. No Sleep Gang
  4. Goldmünzen Diamanten Reichtum Gang
  5. Hirschbraten Hood Homies
  6. Never Snitch Panzer Gang
  7. Bildhübsche Jungen Bande
  8. Wien Crime
  9. Perlenketten und Gold Chainz Pistolen Panzer Powder Boyz
  10. Codein Cobra Crew
  11. Hustle Gang (nicht-kanonisch)
  12. Pack Squad Technology (nicht-kanonisch)
  13. #anus Movement
  14. Ganovenbande (nicht-kanonisch)
  15. Belvedere Beach Boys
  16. Zucchini Fenchel Creme Suppe Movement
  17. OGB Goonie Gang
  18. Monster Alarm Mafia
  19. Glo Up Dinero Gang
  20. Luxusuhren Luxux Kidz
  21. Milchschnitten Mörder Gang
  22. Junges Geld Bargeld Billionäre
  23. Duschkabinen Posse
  24. Eagle Gang
  25. Goldgräber Gucci Gang
  26. Rich Gang
  27. Zitronenschnitz Gang

Felix Martin Andreas Antoine Sören Blume? Kollegahs wahre Vornamen

Einführung

Zugegebenermaßen: Der bürgerliche Name des Rappers Kollegah ist eine kleine Pointe: Felix Blume. Der Mainzer Separate hat den Namen im Jahr 2007 in einem Disstrack einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht („Felix Blume, nennen wir doch den Bengel beim Namen!“). Die Wahrnehmung der Kunstfigur Kollegah wurde durch diese Enthüllung nachhaltig verändert, wahrscheinlich hat auch Kollegah selbst seine Selbstinszenierung daran anpassen müssen.

Denn ein selbsternannter Zuhälterrapper wirkt mit einem derart poetischen Namen leider wenig glaubwürdig. Zu Beginn seiner Karriere nannte sich Kollegah deshalb Toni, später firmierte er als Felix Antoine Blume – wobei er auf den zweiten Vornamen stets viel Wert legte. Immerhin suggeriert dieser den im deutschen Gangsterrap leider noch immer als Glaubwürdigkeitsmerkmal verstandenen Migrationshintergrund.

Die Überbetonung des vermeintlichen zweiten Vornamens und ihr intendierter Zweck sind dermaßen offensichtlich, dass vielfach Witze darüber gemacht wurden. Insbesondere wurden Kollegah weitere Vornamen angedichtet. Fler behauptet indes standhaft, auch der Name Antoine sei nur erfunden – und zwar von Kollegah selbst.

Felix Martin Andreas Antoine Sören Blume?

In der englischen Wikipedia wurde am 23. August im Eintrag „Kollegah“ eine anonyme Änderung vorgenommen. Seither steht dort an wechselnden Stellen im Text, Kollegahs voller Name laute Felix Martin Andreas Antoine Sören Blume. Stimmt das?

Um die Antwort vorwegzunehmen: Es stimmt ziemlich sicher nicht.

Doch der vermeintliche Name macht die Runde: Die „TZ“ hat gestern einen Artikel über Kollegah veröffentlicht. Er ist wegen schwerer Körperverletzung angeklagt und steht deswegen vor Gericht. Im Artikel heißt es: „Ein Einigungsversuch des Vorsitzenden Richters im Falle eines Geständnisses des Mannes, der als Felix Martin Andreas Antoine Sören Blume im hessischen Friedberg geboren wurde, scheiterte.“

Seither steht der Name auch in der deutschen Wikipedia – die „TZ“ wird in den Fußnoten als Quelle genannt.

Hat hier jemand im Gerichtssaal mitgeschrieben, als der Richter den vollen Namen des Angeklagten verlesen hat? Wahrscheinlicher scheint mir, dass die „TZ“ ihn aus der englischen Wikipedia übernommen hat. Und jetzt, da der Name durch eine vermeintlich zuverlässige Zeitung bestätigt wurde, hat auch die deutsche Wikipedia eine Quelle, die die Qualitätskritierien zu erfüllen scheint.

Doch ehe der Autor des „TZ“-Artikels öffentlich erklärt, dass er den Namen höchstselbst so im Gerichtssaal vernommen hat, würde ich zumindest zu Skepsis raten. Wahrscheinlich heißt Kollegah nämlich ähnlich wie behauptet – aber letztlich doch ganz anders.

Wie heißt er wirklich?

In der Datenbank der GEMA, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, firmiert Kollegah seit Jahren als Felix Blume. In der Frühzeit seiner Karriere war dies jedoch anders. Unter der CAE/IPI-Nummer 00491070661 wird dort der Name „BLUME, FELIX MARTIN ANDREAS MATTHIAS“ als „Textdichter“ von Kollegahs Frühwerk genannt.

Also kein Antoine, kein Sören. Einfach nur ein relativ unspektakulärer deutscher Name.

Die GEMA-Datenbank scheint die sicherste Quelle für Kollegahs vollen Namen. Absolute Sicherheit verschafft sie jedoch nicht: Es könnte sich auch um einen scherzhaft gewählten Künstlernamen handeln.

Vielleicht sollten wir einfach bei Felix Blume bleiben.

EINE Kultur

Im „Fluter“, dem „Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung“ ist unlängst ein Artikel über „Gangsta-Rap“ erschienen. Den Autor des Artikels freut es, dass die „Mein-Block-Romantik“ endlich ausgedient habe; anstelle von „Sichtbetonromantik, Drogengeschäften und Gewaltexzessen“ gehe es endlich wieder um „Liebe, Freundschaft und die Suche nach der eigenen Identität“. Falk Schacht, der inzwischen immer öfter als Hiphop-Lobbyist (im positiven Sinne) auftritt, hat einen Offenen Brief an die Bundezentrale für politische Bildung verfasst, in dem er dem Autor Recherchefehler und eine eingeengte Sichtweise insbesondere auf den sogenannten „Gangsta-Rap“ vorwirft. Schachts Debattenbeitrag ist wahrscheinlich zu lang, als dass ihn Außenstehende vollständig lesen würden; er glänzt auch nicht unbedingt durch sprachliche oder argumentative Klarheit, doch in der Sache hat Schacht recht.

Es gibt ein Narrativ von der Rückkehr bürgerlicher Ideale in die Hiphop-Kultur. Der Autor des „Fluter“-Beitrags folgt diesem Narrativ, aber auch einige andere in den letzten Monaten erschienene Artikel arbeiten damit. Vor ein paar Tagen ist auf zeit.de ein Beitrag erschienen, der als exemplarisch gelten darf. Dem Narrativ zufolge herrschte im Deutschrap bis in jüngste Zeit Sodom und Gomorrha. „Gangsta-Rapper“ predigten Gewalt und unterboten sich gegenseitig mit ihrer musikalischen und inhaltlichen Niveaulosigkeit. ((Diesen Eindruck gewinnt wohl zwangsläufig, wer sein Wissen über Rap aus „Spiegel-TV“-Beiträgen bezieht.)) Dann aber traten ein paar weiße Ritter auf die Bühne, verwiesen den Pöbel in seine Schranken und musizieren seither fröhlich über Themen, mit denen sich auch ein kleinbürgerlicher Journalist anfreunden kann.

Das Narrativ lässt sich denkbar leicht auflösen, weil es so weit entfernt von den Fakten ist. Es ist eine schöne Geschichte, aber schöne Geschichten sind leider selten wahr. Besonders die vermeintlichen Agenten des Guten in dieser Erzählung funktionieren nur dann in der ihnen zugeteilten Rolle, wenn man nicht viel über sie und ihren musikalischen Werdegang weiß. Prinz Pi und Casper sind zwei hervorragende Beispiele. Das deshalb, weil sie beide schon sehr lange Musik machen und aufgrund ihres aktuellen Erfolgs trotzdem oft dieser neuen Generation zugerechnet werden, die der oben verlinkte „Zeit“-Artikel als die „jungen Milden“ bezeichnet.

Zu Prinz Pi muss man nicht viel sagen. Zwar rappte er unter seinem alten Pseudonym Prinz Porno möglicherweise tiefsinniger als heute, doch seine Attitüde war damals die des Berliner Untergrunds – für Außenstehende also zum Verwechseln ähnlich mit dem, was sie gemeinhin für „Gangsta-Rap“ halten. In den Feuilletons fand Prinz Porno dementsprechend nicht statt, seine Texte aber haben sicher zehntausende Jugendliche und junge Erwachsene maßgeblich beeinflusst. „Keine Liebe“ ist die Hymne meiner Jugend.

Casper rappt auf seinem vorletzten Album, dass er Frauen Pillen ins Glas schmeiße („Strasse 2“ featuring Kollegah(!)). Auf seinem vorangegangenen Mixtape inszeniert er sich in zahlreichen Tracks wie ein Straßenrapper und greift entsprechende Motive auf („Meine Jungs / Zehne von der Hauptschule / verteilen deine Zähne vor der Hauptschule“). Dies alles sind Facetten eines großartigen Künstlers, der maßgeblich durch Musik beeinflusst scheint, die in den Augen vieler Artikelschreiber wahrscheinlich nicht als „gesellschaftsfähig“ gelten würde. Hiphop ist eine Kultur. Das Narrativ versucht, diese Kultur entlang der Grenze des vermeintlich politisch oder gesellschaftlich Erwünschten in zwei Teile zu zerschneiden – den guten und den bösen Teil. Auf der einen Seite die „Gangsta-Rapper“, auf der anderen die „jungen Milden“. Dieser Versuch muss fehlschlagen, solange die Selbstwahrnehmung der angeblichen Protagonisten dieser Gruppen eine andere ist.

Ich möchte abschließend sagen: Die Argumentation der genannten Artikel funktioniert nur, weil deren Autoren anscheinend denken, diese vermeintliche „neue Generation“ hätte mit Rap und insbesondere „Gangsta-Rap“ nicht viel zu tun. Und das liegt augenscheinlich daran, dass sie zwar eine sehr konkrete Meinung über Rap haben, aber kaum konkretes Wissen. Ihre Meinung basiert auf Vorurteilen.

Anmerkung: Ich wollte eigentlich nur einen Kommentar auf Falk Schachts Facebook-Seite schreiben, aber es wurde dann doch ein Blog-Eintrag.

Ist Azad der beste Rapper Deutschlands?

Ich habe heute bei 16bars.de ein Interview mit Azad gesehen. Er bezeichnet sich darin als besten deutschen Rapper – auch wenn viele das noch nicht anzuerkennen bereit seien. Mal ganz davon abgesehen, dass Kool Savas jetzt irgendwo mit hochrotem Kopf vor seinem Macbook sitzt und wahrscheinlich die nächsten drei Nächte vor Wut nicht schlafen kann: Ich habe mich mal gefragt, was hinter dieser Aussage stecken könnte.

Klar ist: Was Flow und Technik angeht, gehört Azad zum alten Eisen. Das ist nicht weiter schlimm. Bei Samy Deluxe ist es schlimm, weil sein Rap immer sehr technikbasiert war und er in dieser Hinsicht einfach nicht mehr auf dem neuesten Stand ist. Über seine Doubletimes, die 2000 alle vom Hocker gehauen haben, kann heute nur noch gelächelt werden. Aber Azad hatte noch nie den besten Flow, insofern war das für seinen Status in der Szene auch nie ausschlaggebend.

Wieso also ist Azad der beste Rapper? Weil er die Rap-Szene geprägt hat wie wenige? Ich finde, dass das nicht entscheidend sein darf. Zumal nicht bei einem Rapper, der noch immer aktiv mitmischt. Er muss sich an dem messen lassen, was state of the art ist.

Es gibt gleichwohl einen Aspekt, in dem ich Azad für unübertroffen halte: Inhaltliche Tiefe, ohne dabei in Abstraktionen und Metaphern abzudriften, wie es etwa Casper tut. (Casper ist dadurch nicht schlecht – im Gegenteil, aber seine Zielgruppe scheint eine ganz andere.) Deepness, dieser Begriff ist etwas aus der Mode gekommen. Aber Azad ist jemand, der genau das verkörpert. Dem Klischee nach ist Rap über Ex-Freundinnen inhaltsschwer und Straßenrap inhaltsleer. In Wirklichkeit beherrschen nur wenige Rapper die Kunst, ihre Texte mit ernsthaften Inhalten zu füllen. Curse konnte das zum Beispiel, ohne dabei immer über das gleiche Thema rappen zu müssen. Katastrophal nach hinten losgegangen ist ein solcher Versuch unlängst bei dem eigentlich sympathischen Eko Fresh. In seinem Lied über Ehrenmord lauten die ersten zwei Zeilen des Refrains: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt / Fick doch auf die Zukunft, denn die Scheiße kennt kein Mensch.“ Vielen Dank für diese tiefsinnige Einsicht.

Azad schreibt deepe Texte. Wer es nicht glaubt, sollte sich zum Beispiel das Klassiker-Album Leben anhören – zeitlos. Aber selbst als Feature-Gast droppt Azad zuweilen in einem Sechzehner mehr knowledge, als andere in ihrer ganzen Karriere. Zum Beispiel auf dem Track Credibil mit den nicht unbedingt hörenswerten Jungs von La Honda. Sein Part beginnt ab 2:30 min. Wer macht derart erwachsenen Straßenrap? Wer kann eine ganze Strophe lang einen solchen Pathos aufrecht erhalten? In dieser Hinsicht ist Azad der beste deutsche Rapper.

Ultimative Liste: Motivierende und aufmunternde Rap-Songs

Rap ist die Musik der kleinen Leute, und die kleinen Leute suchen manchmal Aufmunterung. Sie schätzen motivierende Worte, denn sie erleichtern die Aufgaben des Alltags. Rap, insbesondere Deutschrap, hat mir durch so manche dunkle Stunde geholfen. Ich habe eine Liste mit motivierenden und aufmunternden Rap-Songs zusammengestellt, die ich bei Gelegenheit erweitern werde. Vorschläge sind immer willkommen, einfach einen Kommentar schreiben.

Zur Zusammenstellung: Azad war der erste deutsche Rapper, der mit harten und gleichzeitig deepen Tracks Erfolge feierte. Er eröffnet diese Liste nicht nur weil sie alphabetisch geordnet ist. Der Berliner Rap aus dem Aggro-Umfeld hatte in der Anfangszeit zum Alleinstellungsmerkmal, dass auf thematische Variationen in den Texten absichtlich verzichtet wurde. Über die Jahre sind dennoch einige Lieder entstanden, die Motivation und Aufmunterung transportieren. Prinz Porno aka Prinz Pi und Curse waren wie Azad Idole meiner Jugend. Auch sie sollen hier gewürdigt werden.

Hier die Liste:

Animus – Kämpferherz
Azad – Phoenix
Azad, Jeyz und Jonesmann – Mentale Krisen
Azad und Adel Tawil – Ich hol dich da raus
Azad und Cassandra Steen – Eines Tages
Azad und Jonesmann – Kopf hoch
Azad und Sentino – Mein Weg
Bushido – Alles wird gut
Bushido – Kopf hoch
Casper – Grizzlylied
Curse und J-Luv – Irgendwann
Curse und Xavier Naidoo – Stell dir vor
Deine Lieblingsrapper – Steh wieder auf
Fler und Shizoe – Wir bleiben stehen
Fler – Mein Haus
Frank White (Fler), Silla und She-Raw – Glaub an dich
Jack Orsen, Tarek, Tony Tone – Kämpf
Kollegah – Einzelkämpfer
Kool Savas – Der beste Tag deines Lebens
Kool Savas und Cassandra Steen – Weg zum Ziel
Kool Savas und Azad – On Top
Nekst86 – Ich lebe
Prinz Pi – Tief
Prinz Porno/Pi – Wunderkind
Sido und Adel Tawil – Der Himmel soll warten
Sido, Scooter, Kitty Kat und Tony D. – Beweg dein Arsch
Sido, Fler und Shizoe – Unser Leben
Silla und Shizoe – Du schaffst das

Josef Fritzl im Deutschrap

„Ich hab Geheimnisse im Keller so wie Jürgen Fritzl“, rappt Kid Kobra in Kool Savas‘ „Mammut Remix“ des Lieds „Der Beweis“. Doch der besungene Psychopath, Josef Fritzl, heißt Josef und nicht Jürgen. Hier konnte man exemplarisch das Bemerkenswerte am Umgang deutscher Rapper mit solchen Themen feststellen: Details sind völlig egal. Ein weiteres Beispiel für dieses Desinteresse an Genauigkeiten ist das Lied „Kalt“ von Favorite. Hier heißt es: „Ich habe Leichen im Keller wie Boris Fritzl.“ Boris? Der korrekte Vorname lautet – nochmal – Josef.

Was bedeutet das? Weshalb wird auf ein solches Detail keinerlei Wert gelegt? Weil es in diesem Zusammenhang unwichtig ist, so meine These. Die Geschichte von Josef Fritzl, der seine Tochter und deren von ihm gezeugte Kinder missbraucht und gefangenhält, interessiert den Rapper nicht. Insbesondere ist ihm nicht daran gelegen, diese Geschichte moralisch zu bewerten. Er sucht lediglich nach einem Vergleich, den er ziehen kann. Insofern ist der Psychopath Fritzl – Josef, Boris oder Jürgen – in diesem Kontext lediglich ein Vergleichsgegenstand, eine Projektionsfläche.

http://www.youtube.com/watch?v=iY-K9SolSgY

Kollegah klingt wie… Fler?!

„Du hast mein Album ‚Kollegah‘ wohl ganz schön gemocht
Auf einmal machst du selbst eins mit Gesangshooks und Popsound
Nennst es dann ‚Fler‘, rennst hinterher
Wer ist jetzt der Fan? Wer ist hier der Trendsetter, Player?“
– Kollegah zu Fler

Nun hält der Weltgeist nur wenige wichtigere Fragen für uns bereit, als die nachfolgend gestellte. Zu behaupten, sie zufriedenstellend beantworten zu können, möchte ich mich deshalb nicht anmaßen. Doch den Versuch muss ich unternehmen: Wer, in drei Gottes Namen, wer hat eigentlich Autotune in die deutsche Rap-Landschaft eingeschleppt? Wo kommen sie her, diese Pestbeulen auf jedem zweiten Album?

Tua, so wird der ein oder andere antworten, habe schon 2005 auf seinem Album „Nacht“ damit experimentiert. Doch diese Antwort ist wenig problemorientiert. Niemand wird behaupten können, dass Autotune immer und allerorts Schaden anrichtet. Olli Banjo und Kool Savas haben es in „Schritte vor der Tür“ bewiesen.

Nein, problematisch ist das ewige Gejaule, dieses unhörbare Gequietsche in den Hooks, das einige Rapper kultivieren wie Tulpen. Die Altvorderen der sog. Straßenrapper füllten die Refrains mit Scratches, gute Scratches und schlechte Scratches, manchmal gut, manchmal ätzend. Dann kamen Gesangshooks, wieder gute und schlechte. Aber Autotune-Hooks geraten nun dort, im Straßenrap, wo die Produktionen ohnehin oft nicht besonders musikalisch sind, der Empirie nach niemals gut. Allesamt kommen sie missraten, und so fielen uns fast die Ohren raus, als Fler damit begann, ganze Alben und Mixtapes mit dieser Autotune-Kacke zu verseuchen. Mehr noch: Er ließ sogar Musikvideos zu diesen Liedern drehen. Das hatte sich vorher niemand getraut.

Man wird Fler wenig mehr zugute halten können, als dass er immerhin den Mut bewiesen hat, etwas Neues zu versuchen. Und tatsächlich: Er war damit vergleichsweise erfolgreich. Vielen hätte man zugetraut, dass sie diesem Irrweg deshalb folgen würden, aber kaum Kollegah, der uns mit so vielem bereichert hat. Doch hört man sein heute erschienenes Album „Bossaura“, so wird man entsetzt feststellen, dass auch er der Autotune-Seuche erlegen ist. Jedes Wort der Analyse wäre zu viel, denn hier gibt es kein Pro oder Contra, kein Für und Wider. Das Lied „Jetlag“ allein mag als Beispiel dafür herhalten, was dem Hörer zugemutet wird.

Traurig dieser unwürdige Tod eines großen Rappers, und doch voll erheiternder Ironie. Denn hier, in dieser dunkelsten Stunde, wird der Jäger zum Gejagten, der Trendsetter Kollegah zum Mitläufer und der ewige Mitläufer Fler zum apokalyptischen Reiter, dem Kollegah hinterhereilt wie ein Knecht.

Vollständige Liste: Beste Disstracks seit Anbeginn des Deutschraps

Es gab mal eine Zeit, da erschien jede Woche ein neuer Disstrack. Alle dissen Eko, Eko disst alle. Savas disst Eko, Illmatic disst Eko, Fler disst Eko, B-Tight disst Eko, Ercandize disst Eko, Eko disst Fler, Bushido disst Fler, alle dissen Fler und so weiter. Es wurde nicht langweilig zu dieser Zeit.

Heute gibt es nur noch wenige neue Disstracks. Und die neuen Disstracks, die es gibt, dienen alle nur Promozwecken und sind langweilig. Halbwegs amüsant die Reaktion von Selfmade Records auf den Diss von Laas Ultd. gegen Kollegah: Als Laas Ultd. anfing, T-Shirts mit dem Aufdruck „Fick dich, Felix!“ zu verkaufen, antwortete Selfmade Records mit einer eigenen Shirtline: Girlie-Shirts mit dem Aufdruck „Fick mich, Felix!“

Als Rap-Opa und selbsternannter Deutschrap-Professor kenne ich natürlich alle wichtigen Disstracks der letzten 15 Jahre und möchte an dieser stelle eine Liste mit den besten Disstracks seit Angebinn des Deutschraps veröffentlichen. Wer einen Disstrack hinzufügen möchte, kann unten einen Kommentar schreiben. Hier die Liste, alphabetisch geordnet:

Azad – MC u Reen
Azad – Samy de bitch
Bass Sultan Hengzt – Exguterjunge
Bass Sultan Hengzt – Fick Bushido
Eko Fresh – Die Abrechnung
Eko Fresh – F.L.E.R.
Eko Fresh und Bushido – Flerräter
Fler – Alles gefickt
Fler feat. B-Tight – Du Opfer
Gregpipe – Basic Instructions
Illmatic – Nicht mit Illz!
Kay One, Eko Fresh, Manuellsen, Summer Cem und Capkekz – OR Killers
Kollegah – Fanpost
Kollegah – Guter Tag zum Sterben
Kollegah – Warnschüsse
Kool Savas – Das Urteil
Kool Savas und Eko Fresh – Renexekution
Kool Savas und Germany – Track gegen Peter
Royalbunker – Wer? Fler?
Samy Deluxe – Rache ist süß
Separate – Sonnenbank Pimp
Sido – Du bist scheiße
Sido – Frohe Weihnachten
Snaga und Manuellsen – Massiv hängt
Taichi – Flieg nicht so hoch