The Man in the Arena

„It is not the critic who counts; not the man who points out how the strong man stumbles, or where the doer of deeds could have done them better. The credit belongs to the man who is actually in the arena, whose face is marred by dust and sweat and blood; who strives valiantly; who errs, who comes short again and again, because there is no effort without error and shortcoming; but who does actually strive to do the deeds; who knows great enthusiasms, the great devotions; who spends himself in a worthy cause; who at the best knows in the end the triumph of high achievement, and who at the worst, if he fails, at least fails while daring greatly, so that his place shall never be with those cold and timid souls who neither know victory nor defeat.“

Theodore Roosevelt, 23. April 1910

Kim Jong Ils Gespür für Golf

Um die Terrorherrschaft der Kims in Nordkorea ranken sich zahlreiche Geschichten. Zu den (wohl authentischen) Berichten über Todeslager und öffentliche Hinrichtungen gesellen sich teils amüsante Anekdoten über den Größenwahn der Herrscher und den absurden Personenkult, der um sie betrieben wird.

Eine Anekdote besagt, dass der offiziellen Propaganda des Regimes zufolge Kim Jong Il im Jahr 1994 einen Golfplatz besucht, das erste Mal in seinem Leben einen Golfschläger in die Hand genommen und den sogleich Kurs mit 38 Schlägen unter Par absolviert habe. Allein 11 Holes-in-One seien ihm gelungen. Zufrieden mit diesem Rekordergebnis habe Kim seine Golfkarriere anschließend für beendet erklärt.

Immer wieder wird diese Geschichte nacherzählt, teilweise auch in seriösen Zeitungen und Zeitschriften (Beispiel). Als Urheber werden wahlweise die nordkoreanische Nachrichtenagentur oder die offizielle Biographie Kim Jong Ils genannt.

Doch was ist dran an der Geschichte? Unmittelbar konnte ich keine verlässliche Quelle ausfindig machen. Die Suche begann auf der Seite der nordkoreanischen Nachrichtenagentur. Eine Stichwortsuche auf allen von Google indizierten Unterseiten förderte jedoch keinen entsprechenden Artikel zu Tage. (Allerdings ist zu bedenken, dass die Agenturmeldungen aus dem Jahr 1994 nicht online verfügbar sind.)

Noch eine weitere Quelle konnte ich trotz meiner begrenzten Sprachkenntnisse erschließen: Die offizielle englischsprachige Biographie Kim Jong Ils, die auf der Webseite der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ zum Download angeboten wird. Auch darin fand ich keine Erwähnung der sportlichen Leistungen Kims.

Vor diesem Hintergrund würde ich den Wahrheitsgehalt der geschilderten Anekdote anzweifeln. Doch da ich des Koreanischen nicht mächtig bin, sind mutmaßlich wesentliche Quellen unberücksichtigt geblieben, zumal diese womöglich nicht online verfügbar sind.

Wer Ideen hat, wie sich diese Anekdote verlässlich belegen lassen könnte, sei auf die Kommentarfunktion verwiesen. Für alle Hinweise bin ich sehr dankbar.

Fußball-Weltmeisterschaft 1950: Sagte Indien ab, weil man nicht barfuß spielen durfte?

Es existiert die Legende, dass Indien 1950 die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft abgesagt habe, weil die FIFA in diesem Jahr das Barfußspielen verboten hat.

Ich habe mich umgesehen: Es handelt sich dabei wohl um eine Legende. Zwar spielten die Inder damals noch barfuß Fußball und sagten tatsächlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ab – allerdings aus anderen Gründen.

Wie es scheint, war dem indischen Fußballverband viel mehr die Reise zu teuer, das Geld sparte man für die Teilnahme an den olympischen Spielen zwei Jahre später.

Die Barfuß-Geschichte wurde unter Zeigenossen gar nicht thematisiert, sie muss also später entstanden sein. Ein schöne Legende, aber leider nicht wahr.

Quelle: http://latimesblogs.latimes.com/sports_blog/2011/07/did-india-withdraw-from-the-1950-world-cup-because-they-were-not-allowed-to-play-barefoot.html

Monopoly-Verbot auf Kuba und in der Sowjetunion? Eine Legende!

Gelegentlich stoße ich auf die Behauptung, das Brettspiel Monopoly sei in kommunistischen Ländern verboten gewesen, weil es die kapitalistische Denkweise befördere. Fidel Castro habe unmittelbar nach der Machtergreifung alle Monopoly-Sets vernichten lassen und auf einer Ausstellung in Moskau seien 1959 sogar die sechs ausgestellten Monopoly-Spiele gestohlen worden, so sehr sehnten sich die Russen nach dem verbotenen Spiel aus dem Westen.

Ich habe bisher noch nie eine Quelle für diese Behauptungen gesehen und deshalb eine samstägliche oberflächliche Recherche gestartet. Castro kam 1959 an die Macht, die Ausstellung in Moskau soll im gleichen Jahr gewesen sein. Also habe ich mich auf 1959 und die Folgejahre konzentriert. In den online verfügbaren Zeitungsarchiven fand sich nichts. Keine Erwähnung einer Ausstellung, keine Erwähnung von Monopoly. Nichts. Dabei sollte man meinen, solche Geschichten wären im Zuge des Kalten Kriegs nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet worden. Das wurden sie nicht.

Nun konnte ich keinen Beweis für diese Geschichten finden, aber auch ein Gegenbeweis ließ sich nicht unmittelbar zutage fördern. Damit kann ich also zumindest nicht vollständig ausschließen, dass es diese Monopoly-Verbote gegeben hat. Es scheint mir jedoch aus zwei Gründen extrem unwahrscheinlich:

1. Die Suche in den Zeitungsarchiven hat ergeben, dass beide Geschichten erstmals um 1990 Erwähnung finden, also während des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Der denkbar beste Zeitpunkt, um so etwas zu erfinden. Davor konnte ich keinen einzigen Zeitungsartikel zu diesem Thema finden, danach unzählige. Möglicherweise die erste Erwähnung des Monopoly-Verbots auf Kuba findet sich in einer Meldung von „Associated Press“, die Ende 1989 in verschiedenen Zeitungen erschienen ist (u.a. hier abgedruckt). Wieso hat in den 30 Jahren zuvor niemand darüber geredet?

2. Es war für westliche Brettspielhersteller ohnehin nicht möglich, ihre Spiele auf Kuba oder in der Sowjetunion zu verkaufen. Und die Produktion von Brettspielen in den kommunistischen Ländern selbst war, wie die Produktion aller anderen Güter, zentralwirtschaftlich organisiert. Wieso sollte man Monopoly explizit verbieten, wenn es gar nicht zu kaufen war?