Weshalb es in Deutschland kaum gute Journalisten gibt

Journalisten gibt es längst zu viele für das wenige Zeilengeld, allein an guten Journalisten mangelt es diesem Land. Weshalb das so ist, lässt sich beim französischen Aufklärer Anne Robert Jacques Turgot (1727-1781) nachlesen:

„Die Engländer zum Beispiel scheuen seit einigen Jahren keine Mühe, um schöne Bilder zu haben, und sie konnten bisher keinen einzigen Maler ihrer Nation hervorbringen. Nur die Italiener, die Franzosen und die Flamen sowie eine kleine Zahl von Deutschen und Spaniern sind in dieser Kunst erfolgreich gewesen. Der Grund dafür liegt darin, daß die Engländer nur für die guten Bilder bezahlen; indem sie aus ihren Kirchen die Bilder verbannten, haben sie sich der Mittel beraubt, von denen die schlechten und mittelmäßigen Maler leben; und in jedem Handwerk, in dem der schlechte Arbeiter nicht leben kann und in dem es dem mittelmäßigen nicht gut geht, bilden sich keine großen Männer heraus.“ ((Turgot, Anne Robert Jacques: Über die Fortschritte des menschlichen Geistes, Suhrkamp 1990, S. 95.))

Turgot beschreibt hier die Situation englischer Maler des 18. Jahrhunderts. Dass sich sein Argument auf die deutsche Gegenwart übertragen lässt, auf Journalisten, Wissenschaftler, Künstler – wer wollte es anzweifeln?

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU): „Einer peinlichen Befragung unterziehen“

Der Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Nachfolger des halbwegs vernünftigen Thomas de Maizière, sprach heute über das Versagen der Sicherheitsbehörden im Umgang mit rechtsextremen Gewalttaten. „Keine Frage:“, sagte er, „es wird der eine oder andere sich einer peinlichen Befragung unterziehen müssen“ (Quelle).

Eine Anmerkung sei dazu gestattet: Peinliche Befragung ist ein anderes Wort für Folter. Als Bundesminister des Innern hätte man das wissen können.

Josef Fritzl im Deutschrap

„Ich hab Geheimnisse im Keller so wie Jürgen Fritzl“, rappt Kid Kobra in Kool Savas‘ „Mammut Remix“ des Lieds „Der Beweis“. Doch der besungene Psychopath, Josef Fritzl, heißt Josef und nicht Jürgen. Hier konnte man exemplarisch das Bemerkenswerte am Umgang deutscher Rapper mit solchen Themen feststellen: Details sind völlig egal. Ein weiteres Beispiel für dieses Desinteresse an Genauigkeiten ist das Lied „Kalt“ von Favorite. Hier heißt es: „Ich habe Leichen im Keller wie Boris Fritzl.“ Boris? Der korrekte Vorname lautet – nochmal – Josef.

Was bedeutet das? Weshalb wird auf ein solches Detail keinerlei Wert gelegt? Weil es in diesem Zusammenhang unwichtig ist, so meine These. Die Geschichte von Josef Fritzl, der seine Tochter und deren von ihm gezeugte Kinder missbraucht und gefangenhält, interessiert den Rapper nicht. Insbesondere ist ihm nicht daran gelegen, diese Geschichte moralisch zu bewerten. Er sucht lediglich nach einem Vergleich, den er ziehen kann. Insofern ist der Psychopath Fritzl – Josef, Boris oder Jürgen – in diesem Kontext lediglich ein Vergleichsgegenstand, eine Projektionsfläche.

http://www.youtube.com/watch?v=iY-K9SolSgY