Fußball-Weltmeisterschaft 1950: Sagte Indien ab, weil man nicht barfuß spielen durfte?

Es existiert die Legende, dass Indien 1950 die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft abgesagt habe, weil die FIFA in diesem Jahr das Barfußspielen verboten hat.

Ich habe mich umgesehen: Es handelt sich dabei wohl um eine Legende. Zwar spielten die Inder damals noch barfuß Fußball und sagten tatsächlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ab – allerdings aus anderen Gründen.

Wie es scheint, war dem indischen Fußballverband viel mehr die Reise zu teuer, das Geld sparte man für die Teilnahme an den olympischen Spielen zwei Jahre später.

Die Barfuß-Geschichte wurde unter Zeigenossen gar nicht thematisiert, sie muss also später entstanden sein. Ein schöne Legende, aber leider nicht wahr.

Quelle: http://latimesblogs.latimes.com/sports_blog/2011/07/did-india-withdraw-from-the-1950-world-cup-because-they-were-not-allowed-to-play-barefoot.html

Monopoly-Verbot auf Kuba und in der Sowjetunion? Eine Legende!

Gelegentlich stoße ich auf die Behauptung, das Brettspiel Monopoly sei in kommunistischen Ländern verboten gewesen, weil es die kapitalistische Denkweise befördere. Fidel Castro habe unmittelbar nach der Machtergreifung alle Monopoly-Sets vernichten lassen und auf einer Ausstellung in Moskau seien 1959 sogar die sechs ausgestellten Monopoly-Spiele gestohlen worden, so sehr sehnten sich die Russen nach dem verbotenen Spiel aus dem Westen.

Ich habe bisher noch nie eine Quelle für diese Behauptungen gesehen und deshalb eine samstägliche oberflächliche Recherche gestartet. Castro kam 1959 an die Macht, die Ausstellung in Moskau soll im gleichen Jahr gewesen sein. Also habe ich mich auf 1959 und die Folgejahre konzentriert. In den online verfügbaren Zeitungsarchiven fand sich nichts. Keine Erwähnung einer Ausstellung, keine Erwähnung von Monopoly. Nichts. Dabei sollte man meinen, solche Geschichten wären im Zuge des Kalten Kriegs nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet worden. Das wurden sie nicht.

Nun konnte ich keinen Beweis für diese Geschichten finden, aber auch ein Gegenbeweis ließ sich nicht unmittelbar zutage fördern. Damit kann ich also zumindest nicht vollständig ausschließen, dass es diese Monopoly-Verbote gegeben hat. Es scheint mir jedoch aus zwei Gründen extrem unwahrscheinlich:

1. Die Suche in den Zeitungsarchiven hat ergeben, dass beide Geschichten erstmals um 1990 Erwähnung finden, also während des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Der denkbar beste Zeitpunkt, um so etwas zu erfinden. Davor konnte ich keinen einzigen Zeitungsartikel zu diesem Thema finden, danach unzählige. Möglicherweise die erste Erwähnung des Monopoly-Verbots auf Kuba findet sich in einer Meldung von „Associated Press“, die Ende 1989 in verschiedenen Zeitungen erschienen ist (u.a. hier abgedruckt). Wieso hat in den 30 Jahren zuvor niemand darüber geredet?

2. Es war für westliche Brettspielhersteller ohnehin nicht möglich, ihre Spiele auf Kuba oder in der Sowjetunion zu verkaufen. Und die Produktion von Brettspielen in den kommunistischen Ländern selbst war, wie die Produktion aller anderen Güter, zentralwirtschaftlich organisiert. Wieso sollte man Monopoly explizit verbieten, wenn es gar nicht zu kaufen war?